AAR - so geht's!

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Beigetreten: 21/01/2020 - 17:04
AAR - so geht's!

Wir pflegen im TTT eine ausgeprägte AAR-Kultur - damit die AAR (After Action Reports) in der Qualität steigen, ein kleines grundsätzliches Posting.  

2015 steht im Zeichen der "Auftragstaktik (Führen nach Auftrag)". Ich möchte diese Kultur der Auftragstaktik als Spezialität des TTT bis zum einzelnen Soldaten implementieren, so dass es quasi die DNA des TTT wird. Dadurch erwarte ich mir deutlich erhöhten Spielspass bei allen Teilnehmern - jeder soll wissen, "warum" er "was" macht. Und das "wie" machen die Trupps unter sich aus.  Diese "Auftragstaktik" sollte sich optimalerweise in Zukunft als zentraler Punkt im AAR wiederspiegeln. (Mehr zum Thema Auftragstaktik in Kürze)

Was ist eigentlich der Sinn eines AAR?

Ein "After Action Report", also eine rückblickende Analyse des Manövers/Trainings/Mission. Es gehört zum Lern- und Optimierungsprozess dazu. AAR geben uns Feedback. Und Feedback macht uns besser. Ganz wichtig: Ein AAR ist immer subjektiv - es schildert die Sicht der Erlebten und beurteilt die eigene Lage und Leistung sowie das erlebte Zusammenspiel mit anderen Einheiten. 

Beispiel-Fragen, die in einem guten AAR beantwortet werden: 

  • Übergreifende Missionsbeschreibung - wie war mein Gesamteindruck der Mission(Training/Event)?
  • Was waren mein (Haupt-)Auftrag? 
  • Habe ich meine Aufträge erfüllen können?
  • Was hat gut funktioniert in unserer Einheit in Bezug zum Auftrag?
  • Welche Probleme traten bei der Auftragserfüllung auf?
  • Traten Verluste auf? Wenn ja, durch wann und warum?
  • Was kann mein Trupp in Zukunft besser machen?
  • Wie habe ich das Zusammenspiel mit anderen Einheiten erlebt?
  • Wie kann das Zusammenspiel mit anderen Einheiten verbessert werden?
  • Lesson learned: Folgende (3) Dinge habe ich für das nächste mal gelernt.
  • ...

Wie ihr seht, sind die Fragen sehr spezifisch formuliert, drehen sich um den erteilen Auftrag und schildern immer aus der Ich- oder Wir-Perspektive. 

Nicht vergessen: Ein persönlicher AAR ist immer subjektiv

Wir müssen beim AAR akzeptieren, dass keiner von uns in der Lage ist, eine korrekte Darstellung aller Geschehnisse abzuliefern. Daher sind taktische Fehler nur im Konsens zu erarbeiten.  Selbst als "Zeus" ist das nicht möglich, da man auch dort nur ein Bruchteil mitbekommt, trotz Vogelperspektive und sichtbaren Einheiten. Ein persönlicher AAR ist ein Mosaik, jeder trägt ein Fragment zum Gesamtbild bei, nur zusammen kann man den kompletten Gefechtsverlauf darstellen. Ihr kennt das: "Ein Unfall, 5 Zeugen und mind. 6 unterschiedliche Geschichten, wie sich der Unfall zugetragen hat"

Zudem ist es unmöglich zu beurteilen, warum eine andere Einheit oder ein Vorgesetzter sich taktisch so entschieden hat. Die Aussage, "also ihr hätte deutlich früher EVAC rufen sollen" ignoriert beispielsweise die Tatsache, dass der Spieler eine völlig andere Situation erlebt hat, einen anderen Wissenstand hatte (Subjektivität) und daraus eigene Schlüsse gezogen hat - sie "limitierende Faktoren".

Auch die Position in der Mission ist wichtig: Erfahrungsgemäß können taktische Einschätzungen top-down deutlich leichter getroffen werden, als bottom-up - durch den Informationsvorsprung der Führungskräfte. Als Stoppelhopers weiß ich schlichtweg nicht, was beim OPL abgeht. Gleichzeitig können taktische Auswirkungen von einfachen Soldaten vor Ort deutlich besser beurteilt werden, als vom Feldherrenhügel. Hier haben die Stoppelhopser durch den direkten Kontakt zum Feind einen Informationsvorsprung.   

Aussagen, die im AAR vermieden werden sollten:

  • Taktische Verbesserungsvorschläge nach oben: "also ich hätte das ja so gemacht..." "ich hab ja nix zu sagen, aber taktisch war das..." stattdessen: "Wir hatten Probleme aufgrund der Situation XYZ" oder "...die Anweisung empfand ich als Wiederspruch zu meinem Auftrag,...". Das ist wichtig für die Führungskräfte, diese können dann erläutern oder auch erkennen, dass hier etwas schief lief. 
  • Unspezifisches Selbstlob. "Mein Team war super, hat alles toll geklappt. Ich war der beste. " Stattdessen: Sehr gut gefallen hat mir heute, dass die Rundumsicherung sehr gut geklappt hat, auch wurde regelmäßig nach jedem Feuergefecht ein Waffencheck durchgeführt. Das war super. Was ich verbessern muss...
  • Frust-AARs: Schlechte Spielabende haben häufig nichts mit dem Spielverlauf zu tun, sondern mit "offline"-Problemen. Sei es, dass das Spiel abschmierte, der Hamster gestorben ist oder sonstwas. Vor dem AAR drüber nachdenken, warum ihr gerade gefrustet seid - und nicht irgendwelche Vorwände oder Mini-Aufreger von der Maus zu Elefanten aufpumpen. 

Nicht vergessen: Handwerkliche Fehler sollen in den AAR

Rechnet mit beständiger Kritik Eurer Vorgesetzten zum infanteristischen "Handwerk" - die TFs werden dazu in Zukunft aufgefordert und geschult. Beispiel: Wer den Befehl "Deckung" bekommt und dann sich hinter einem Busch stellt, muss damit rechnen, dass das Problem anonymisiert im AAR auftaucht. Denn das muss trainiert werden. Das gleiche gilt für den TF: Wenn die Order vom ZF kommt, "Stellung beziehen" und der MG-Trupp wird mangelhaft ausgerichtet, kommt das ins AAR als ToDo fürs nächste Training. Und wenn der ZF die Order bekommt "Zug greift  Dorf Bielefeld" an und er hat in 30 Minuten seine Männer immer noch nicht von Fleck bewegt, muss das ebenfalls in die AAR.  Diese AARs sind das Futter für unsere Ausbildungsinhalte, besonders für Trupp-Trainings. Daher alles rein was zum Handwerk gehört!

Nicht vergessen: Dilemmas sind die Würze im Spiel - Fehler die Folge

Bei Kritik nie vergessen: Wir alle müssen aktzeptieren, dass kein Mensch in der Lage ist, eine perfekte "Leistung" in einer Mission abzuliefern - denn die Missionen sind so gestaltet, dass wir immer an die Grenzen kommen oder gar vor Dilemmas gestellt werden (Pest oder Cholera) - erst dann sprudelt das Adrenalin und der Spielspass tritt ein. Man hat nie genügend Informationen, nie die totale Feuerüberlegenheit - daher gerät man häufig in äußerst brenzlige Situationen oder trifft Entscheidungen aus dem Moment, die im Nachhinein offensichtlich nachteilig waren. Das ist der Reiz des Spiels. Jeder darf Fehler machen - nur darf man nie vergessen daraus zu lernen. Die AAR dient also dazu, die eigenen Entscheidungen mit dem Auftrag abzugleichen und kritisch zu überprüfen, welche Entscheidungen hätten getroffen werden können.

Nicht vergessen: Kleine Fehler - große Auswirkungen

ARMA ist ein Spiel, dass selbst kleinste Fehlentscheidungen mit großen Auswirkungen segnet. Beispiel: Mein Auftrag als TF: Sichern Sie die Basis. In der Basis steht ein schweres MG, welches zur Verteidigung besetzt werden könnte. Ich vergesse das MG und lasse es unbesetzt - in der Folge konnte der Feind mit leicht gepanzerten Fahrzeugen die Basis überrollen. Oder: Mein Auftrag als Nr.6: Sichere den Rückraum meines Trupps. Ich drehe mich um, um meine Kollegen beim Feuergefecht zuzusehen, dabei wird mein gesamter Trupp von hinten erschossen, da ich nicht gesichert habe. 

Solche Dinge müssen ins AAR, damit wir daraus lernen können. Fehler dürfen bei uns gemacht werden und werden gemacht. Je mehr Fehler - umso größer der Lerneffekt für uns alle. :-)

Fazit: AARs sollen uns besser machen!
Also: Seht das AAR vor allem als Werkzeug, wie ihr selbst Euch und Euren Trupp verbessern könnt. Teilt Eure Erfahrungen und gelernte Lektionen im AAR mit. Rechnet damit, dass ihr Fehler macht - und genauso eure Kameraden. Trennt Frust und Erlebtes und beschränkt Euch beim AAR darauf, dass zu schildern, was ihr gemacht und gesehen habt - und die Schlüsse, die ihr daraus zieht. Und vor allem gilt für 2015: Prüft, ob ihr Euren Auftrag in der Mission erfüllt habt. :-)

PS: "Roleplay AAR" sind natürlich weiterhin gewünscht und tolles Lesematerial :)