Kampagne Solomon: Hintergrundgeschichte

Kampagne Solomon: Hintergrundgeschichte

Einleitung

Wir schreiben das Jahr 2029. Der Konflikt zwischen NATO und CSAT verschärft sich seit mehr als 15 Jahren wegen weltweit zunehmender Ressourcenknappheit. Abgesehen von Trinkwasser, Erdöl und fruchtbaren Böden konkurrieren die beiden Staatenbündnisse auch um reiche Lagerstätten seltener Erden.

Bis 2018 war die Volksrepublik China der Hauptproduzent und -exporteur von Metallen der seltenen Erden, die vor allem zur Herstellung von Feinelektronik, Batterien und Militärtechnik eingesetzt werden. Etwa 12% der jährlichen Fördermenge Chinas erwarben die USA und deckten damit ihren Eigenbedarf vollständig. Die US-amerikanische Rüstungsindustrie war somit komplett abhängig von staatlich kontrollierten chinesischen Förderunternehmen.

Kritiker der US-Energie- & - Wirtschaftspolitik hatten sich schon Jahre zuvor für ein Umdenken der USA in puncto Ressourcenkontrolle stark gemacht und auch der damalige US-Präsident setzte sich während seiner Amtszeit für eine wirtschaftliche Unabhängigkeit seines Landes von Chinas Rohstoffreserven ein. Es folgten mehrere Klagen vor der WTO, um Chinas Förderpolitik zu liberalisieren.

Die Abhängigkeit der USA von Chinas seltenen Erden sollte jedoch bald der Vergangenheit angehören, denn ein europäisches Vorkommen mit leichter zu raffinierendem Monazit eröffnete den Vereinigten Staaten wenige Jahre später eine zukunftsweisende Gelegenheit.

Gamechanger Panthera

Eine besondere Rolle auf dem Weltmarkt spielte ab 2020 die Inselgruppe Panthera. Sie erlangte internationale Aufmerksamkeit, nachdem auf ihrer Hauptinsel das weltweit zweitgrößte Monazit-Vorkommen erschlossen wurde. Innerhalb eines Tages sandten die 12 größten Montanunternehmen der Welt (davon 7 aus NATO- und 5 aus CSAT-Staaten) ihre Lobbyisten und Untersuchungsteams auf das in der Ostsee gelegene Eiland, um Schürfrechte zu erwerben und danach Bodenproben zu entnehmen.

Pantheras ethnische Vielfalt und die dadurch bedingte politische Spaltung in vier autonom regierte Zonen (Schweden im Westen, Litauer & Letten im Norden und Osten, Polen im Süden und Russen im Südosten) erschwerten die Verhandlungen, zumal das Monazit-Vorkommen natürlich nicht den von Menschenhand gezogenen Gebietsgrenzen folgte.

Dadurch mussten bei Vertragsverhandlungen für Schürfrechte in Grenzgebieten immer Vertreter aller betroffenen autonomen Regierungen an den Verhandlungstisch bestellt werden. Jede Lokalregierung hatte eigene Interessen und Ziele, sodass in Grenzgebieten selten eine Einigung erzielt werden konnte.

Besonders China profitierte vom neu erschlossenen Vorkommen auf dem polnischsprachigen Gebiet der Hauptinsel, da sich staatlich kontrollierte chinesische Unternehmen mehrere lukrative Schürfkonzessionen sichern konnten und den Abbau der reichhaltigen Monazitsande schnell in die Wege leiteten. Vor allem die chinesische Teilhabe am Reichtum Pantheras war den USA seit Beginn der Schürfaktivitäten ein Dorn im Auge gewesen und bescherte dem asiatischen Land immer wieder kleinere Querelen - wirtschaftspolitische mit dem Westen und innenpolitische dank strategisch platzierter NGOs, die eine innere Spaltung des Landes vorantrieben.

Der Großteil der pantheranischen Bevölkerung - von internationalen Investoren durch verheißungsvolle Versprechungen wirtschaftlichen Aufschwungs und flächendeckender Prosperität gelockt - war in euphorischer Stimmung, nachdem 2020 die Explorationsergebnisse bekanntgegeben worden waren. Die Menschen Pantheras, vormals einfache Fischer, Bauern und Pensionsbetreiber, wurden zuhauf von Bergbaufirmen eingestellt, um deren Bedarf an billigen und einfach anzulernenden Arbeitskräften zu decken. Der Tourismus, der lange das Angesicht des Ostsee-Eilands geprägt hatte, war schon wenige Monate nach den ersten Bergbauaktivitäten eingegangen.

Die anfängliche Euphorie der Bewohner über den neu entdeckten Reichtum an Bodenschätzen wich innerhalb weniger Monate einer desillusionierten Empörung, die in der Gründung mehrerer Bürgerinitiativen gegen die Fortsetzung weiterer Bergbau-Aktivitäten gipfelte.


Raffinerieabwässer zerstören Pantheras Artenvielfalt .

Klärschlämme und säurehaltige Raffinerieabwässer wurden meist ungefiltert von den Firmen ins offene Meer geleitet und verursachten dadurch ein gewaltiges Artensterben in der heimischen Flora und Fauna. Pantheraner, die nicht dem Ruf des schnell verdienten Geldes als Minenarbeiter gefolgt waren, verloren als Fischer bald ihre Existenzgrundlage und heuerten bei den einzig verbliebenen Arbeitgebern - den Bergbauunternehmen - an, zumeist tief verbittert über den Lauf der Dinge.

Vergiftetes Grundwasser auf der nordöstlichen Insel, dessen Genuss im November 2021 die Menschen einer ganzen Siedlung samt Kindergarten und Kur-Hotel dahinraffte, war der Stein des Anstoßes für erste gewalttätige Aktionen der Zivilbevölkerung gegen die ausländischen Unternehmen. Vereinzelt kam es zu Vergeltungsschlägen des pantheranischen Widerstands gegen diejenigen seiner Landsleute, die noch immer als Minenarbeiter tätig waren. An anderen Orten der Inselgruppe, wo regelmäßig radioaktive Materialien als Abraum zu Tage gefördert wurden, traten massenhaft Krebserkrankungen unter den Arbeitern auf. Im Angesicht der um sich greifenden Zerstörung ihrer Heimat wünschte sich eine große Mehrheit der Einwohner die Verhältnisse vor der Entdeckung des Vorkommens zurück und setzte sich proaktiv für ein Umdenken seitens der Montanunternehmen ein.


Beispiel einer Sitzblockade wütender Pantheraner

Spontane Demonstrationen und Sitzblockaden, Sabotage-Akte an Arbeitsgerät und Transportmitteln waren seitdem an der Tagesordnung. Die mit der Sicherung beauftragten Private Military Contractors (PMCs) kamen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben kaum noch hinterher und forderten von ihren Auftraggebern - den Bergbaufirmen - mehr und mehr Befugnisse, um der neuen Bedrohungslage Herr zu werden.

Ein geordneter Abbau der seltenen Erden war nun fast nicht mehr möglich; 2022 brachen die Fördervolumina rapide ein. Die Gesamtsituation war für alle Großinvestoren untragbar geworden - es bestand Handlungsbedarf.

 

Eskalation

Im Juni 2023 kam es an einem Checkpoint in der Mitte der Hauptinsel zu mehreren angeblichen Fehlschüssen zwischen bewaffneten Transportsicherungseinheiten der Tsarian Brotherhood (russischer PMC mit nationalistischen Tendenzen) und Teilen der miteinander kooperierenden PMCs Boss Veith International und Kerberos Hell Guard INC (beide für die NATO tätig).

Ein Heißwerden des Konflikts wurde - soweit sind sich Historiker einig - nicht aktiv verhindert, nachdem ein Treibstoffdepot beim Schusswechsel explodierte und 84 einheimische Arbeiter das Leben kostete. Die Fakten waren geschaffen und so zog die CSAT den südafrikanischen PMC Gen.Side (General Sidearms) als Verstärkung der Brotherhood hinzu, um den von russisch- und polnischstämmigen Pantheranern bevölkerten Süden und Südosten zu sichern und zu halten. Die NATO zog sich überwiegend in den westlichen Bereich der Inselgruppe zurück und hielt die Position, wo schwedischstämmige Pantheraner ihre Heimat hatten. Die Hauptinsel war durchgehend umkämpftes Gebiet.

Im Verlauf der nächsten vier Jahre verwüsteten NATO und CSAT die Inseln von Panthera großflächig und machten sie mit Minensperren teilweise unpassierbar, vor allem aber unbewohnbar.

Regierungswechsel mit weitreichenden Folgen

China hatte sich in den letzten 11 Jahren innenpolitisch extrem verändert und bekam bald die Kehrseite des Pluralismus zu spüren - Uneinigkeit an allen Fronten. Der chinesische Staatspräsident dankte 2024 ab und machte einer neuen, reaktionären Clique den Weg

frei. Diese war vom chinesischen Geldadel der Montanindustrie finanziert und begann im Land die alten Verhältnisse systematisch wiederherzustellen. Zuvörderst veranlasste sie die Reaktivierung der stillgelegten Minen und Tagebaue.

Chinesische Umweltaktivisten hatten 2021 nach Bekanntwerden des neuen Vorkommens eine Stilllegung der inländischen Kohle- und Monazit-Bergwerke erwirkt und gingen sofort auf die Barrikaden, als sie von der neuerlichen Inbetriebnahme hörten. Die Regierung ließ sie anstandslos festnehmen.

Dies verursachte Unruhen in der chinesischen Bevölkerung, die das Regime mit einer Vielzahl von PMCs und paramilitärischen Einheiten unter Kontrolle zu bringen versuchte.


Einsatz des CCRC (Chinese Crowd & Riot Control,
ein PMC) bei den gewaltsamen Protesten 2024

Die CSAT kommandierte im Zuge dessen auch die beiden auf Panthera kämpfenden Söldnertruppen kurzfristig ab. In der jahrelangen Auseinandersetzung mit der NATO waren hunderte Söldner umgekommen und an eine Fortsetzung der Schürfunternehmungen war mittelfristig nicht zu denken. Die CSAT überließ infolgedessen der NATO die Inselgruppe und setzte die beiden kampferprobten PMCs Ts B und Gen.Side zur Aufstandskontrolle in China ein.

Aktuell

Nachdem die Kampfhandlungen zu Ende gegangen waren, konnten die Bergbauunternehmen freilich nicht sofort ihre Arbeit wieder aufnehmen, denn weite Teile der Hauptinsel waren vermint oder anderweitig unpassierbar. Unabhängige Geologen und andere Wissenschaftler wurden von der UNO hinzugezogen, um freigegebene Gebiete auf Monazit-Vorkommen zu überprüfen. Dabei kam es UN-Berichten zufolge immer wieder zu Angriffen zurückgekehrter Pantheraner auf die Forscher.

Viele der ehemaligen Bewohner Pantheras seien - Medienberichten zufolge - froh, dem Elend von 2023 entkommen zu sein. Die meisten würden von einer Rückkehr in ihre Heimat absehen, so der Sender Second Truth Broadcasting. Was mit den zurückgekehrten Partisanen geschehen soll, kann im Moment niemand beantworten. Vieles hängt vom diplomatischen Geschick der verantwortlichen NATO-PMCs ab.

Boss Veith International wird nach dem Jahreswechsel 2029/30 turnusmäßig als Schutzelement des UN-Wissenschaftler-Kontingents vom Tactical Training Team abgelöst, einem PMC, der vor seiner Privatisierung 2017 Teil der NATO Response Force (NRF) war.

Als ehemalige Eingreifkräfte der NATO-Truppen stehen die Mitglieder des TTT in engem Kontakt zu ihren früheren Kameraden und Vorgesetzten und genießen dadurch eine gewisse Vorzugsbehandlung bei der Vergabe von NATO-Aufträgen und beim Leasen von Militärgerät. Nur so lässt sich erklären, warum das TTT mit einem komplett ausgestatteten Flugzeugträger zur Inselgruppe Panthera verlegen wird. Über die Mannstärke bewahren alle Beteiligten Stillschweigen.